Vom Wandel
Silas Junior geht zurück ins Schlafwagenabteil, wo die zuvor erwähnte Familie bereits schläft. Nur der Sohn, welcher ihn zuvor bei der Auswahl der Kleider beobachtet hatte, ist noch wach und schien auf ihn gewartet zu haben. Silas junior denkt sich nichts dabei, und begibt sich in s Bett, wo er vor dem Schlafen noch die zuvor eingehenden Nachrichten liest, und teilweise kurz beantwortet. Der Zug fährt durch die Nacht, und der Fokus wechselt zum Mond; es ist Neumond.
Gil liegt im Bett und dreht sich hin und her und kommt nicht zur Ruhe. Sie wirft einen Blick aus dem Fenster und erspäht den Mond. Sie seufzt erleichtet, und schüttelt doch den Kopf darüber, dass sie nicht schlafen kann. Sie geht hinunter in die Küche, füllt ein Glas mit Leitungswasser und schaltet das Radio ein. Es läuft gerade ein Klavierstück von Brahms, ihrem Lieblingskomponisten und sie bleibt eine Weile dort in der Küche, angelehnt, stehen und blickt aus dem Fenster. Sie schaltet das Radio nach dem Musikstück ab und geht wieder ins Bett.
Am nächsten Morgen begibt sich Silas Junior in den Speisewagen, und diese Familie aus seinem Abteil, sitzt bereits an einem Tisch und frühstückt. Silas Junior setzt sich an den Nebentisch und nach kurzer Zeit gesellt sich der Junge zu ihm. Sie beginnen ein Gespräch, welches auf der Neugier des Jungen fußt, welcher neugierig und unbefangen, Interesse an Silas Junior zeigt. Dieser spielt etwas geistesabwesend und nervös mit der Zuckerdose. Er denkt an Zigaretten, bemüht sich aber auf die Fragen des Jungen zu antworten. So fragt dieser beispielsweise, warum Silas Junior so oft die Kleidung wechselt. Silas Junior zögert und antwortet vage, dass dies damit zu tun hätte, dass sich Stimmungen ja auch oft ändern.
Gil erwacht ebenfalls, betrübt, jetzt getrennt von Silas Junior zu leben. Sie macht sich Frühstück und sucht im Radio einen Sender, welcher klassische Musik spielt. Sie findet einen, der ein Klavierkonzert von Brahms spielt, was ihre Laune etwas anhebt. Sie setzt sich vor das Haus, in den Sonnenaufgang und frühstückt allein. Wenig später kommt die Postbotin des Dorfes vorbei, allerdings ohne Post. Sie unterhalten sich eine Weile, was die Stimmung von Gil wiederum etwas hebt. Ein eingehendes Telefonat unterbricht die beiden. Silas Senior ruft aus Deutschland an. Sabrina verabschiedet sich. Gil nimmt das Telefonat an, und auf die Frage ihres Vaters nach ihrer Verfassung, ringt sie mit den Tränen.
[Die Geschehnisse in Bulgarien und in Gils Leben, sind verwoben mit den Arbeitsabläufen der Rosenblüten-Ernte und der Herstellung von Rosenöl, dessen Fortbestand auf der Kippe steht. Gaspreise, Arbeitskräftemangel, die alternde Gesellschaft und auch die internationale Konkurrenz setzen der bulgarischen Branche zu. Doch da gewissermaßen Gils Seele in Bulgarien heilen konnte, ist sie nicht bereit, diesen neugewonnenen Seelenfrieden ohne Weiteres aufzugeben.]
Marina kommt nach Hause in ihr Zimmer und das Telefon klingelt. Sie geht ran, es ist ihr Vater. Sie sagt ihm, sie rufe gleich zurück. Sie geht auf die Toilette und duscht kurz, und telefoniert daraufhin mit Silas Senior. Sie unterhalten sich über das Auswahlverfahren, in welchem sie derzeit steckt und sie schildert die zunehmende Anspannung. Silas Senior lädt sie ein, ihn und Lilia „mal wieder“ zu besuchen. Der Hintergrund ist der, dass Marina auf andere Gedanken kommt, was er nicht direkt sagt. Er formuliert dies so, dass er sie gerne noch öfter sehen würde, da ihre Abreise – seiner Meinung nach – ja kurz bevorstünde.
